2025 – Rückblick auf ein Jahr, das unter Schwankungen insgesamt gesehen erstaunlich positiv verlaufen ist. Donald Trump, künstliche Intelligenz, der schwache Dollar und starke Entwicklung der Edelmetalle und andere Überraschungen. 

2025 war ein turbulentes Jahr an den Kapitalmärkten, das von zwei Seiten bestimmt wurde, die sehr gegensätzlich waren – Donald Trump und Künstliche Intelligenz (KI). Keine zwei Wochen nach der Vereidigung zum 47. Präsidenten der USA kündigte Donald Trump am 1. Februar eine erste Welle neuer Zölle auf Importe aus Kanada, Mexiko und China an.

Die Aktienmärkte setzten ihren Anstieg nach einer kurzen Schwächephase wieder fort. Mitte Februar erreichte der amerikanische Leitindex S&P 500 ein vorläufiges Allzeithoch von 6.144 Punkten, ein Plus von 4,5 Prozent in nur sechs Wochen. Danach fielen die Kurse aufgrund der Sorge, dass sich die großen Investitionen in die Künstliche Intelligenz nicht ausreichend amortisieren. Wenn es Startups wie dem chinesischen DeepSeek gelingen konnte, mit weniger Aufwand genauso leistungsfähig zu sein wie die US-Modelle

Diese Tatsache ließ die Kurse der acht größten Technologieaktien bis Mitte März um gut 16 Prozent fallen und zog den gesamten US-Aktienmarkt mit nach unten. Hiervon unbeeindruckt zeigten sich die europäischen Aktienmärkte. Die Ankündigung der neuen deutschen Bundesregierung, ein 500 Milliarden Euro schweres Investitionsprogramm aufzulegen, erweckte Hoffnungen auf eine Wiederbelebung der deutschen und europäischen Wirtschaft, was auch die Aktienkurse beflügelte.

Mitte März 2025 betrug der Performancevorsprung europäischer Aktien gegenüber US-Titeln fast 20 Prozent. Der deutsche Aktienindex Dax lag zu diesem Zeitpunkt sogar 27 Prozent vor dem S&P 500, was auch an der aufkommenden Schwäche des US-Dollars lag. (ca. 12 %)

Mit dem Jahr 2026 bewegen sich Anleger in einem Markt, der sich sowohl vertraut als auch grundlegend anders anfühlt. Das weltweite Wachstum ist ungleichmäßig, bietet aber weiterhin Chancen. Technologie verändert die Produktivität, doch ihre Auswirkungen auf die Gewinne stehen noch aus. Gleichzeitig entwickeln sich die Zinssätze weltweit in unterschiedliche Richtungen. In unserem Ausblick beleuchten wir sechs Fragen, die bestimmen werden, wie Anleger sich in diesem neuen Umfeld orientieren. 

1. Kann die Weltwirtschaft ihr empfindliches Gleichgewicht im Jahr 2026 aufrechterhalten?

Wir sehen Kräfte, die auf eine Wachstumsbeschleunigung hindeuten, unterstützt durch fiskal- und geldpolitische Maßnahmen. Für die USA erwarten wir 2026 ein führendes Wachstum, da die US-Notenbank (Fed) lockert und fiskalische Maßnahmen an Wirkung gewinnen. Europa dürfte sich moderat ausweiten. Die Erholung Chinas bleibt voraussichtlich schwach angesichts der Belastungen im Immobiliensektor, immerhin fast 25% der gesamten Wirtschaftsleistung. Das zeigt sich auch durch die massiven Exporte China´s nach Europa durch Firmen wie Shein und Temu, die den Deutschen Einzelhandel mit billigen Waren überschwemmt. 

2. Wie geht es mit den Zentralbanken weiter? 

Da die US-Inflation voraussichtlich nur leicht über dem Zentralbankziel von 2% liegt, wird die Fed wahrscheinlich die Unterstützung von Beschäftigung und Wachstum betonen. Die Fed dürfte die Zinsen im nächsten Jahr weiter senken, bis die Wirtschaft und die Finanzmärkte sie stoppen, und den unteren Bereich der Spanne bis 2027 auf 2,5 % bringen.

Die Europäische Zentralbank könnte die Zinsen leicht lockern, während die Bank of England und die Bank of Japan wahrscheinlich eine straffere Zinspolitik verfolgen, wobei letztere einen komplizierten Regierungswechsel bewältigt, der sie für innenpolitischen Druck anfällig macht.  

3. Wird 2026 ein Wendepunkt für den US-Dollar? 

Da sich die Welt weiterhin in Richtung eines multipolaren Mächtegleichgewichts bewegt, gehen wir davon aus, dass zukünftig mehrere Reservewährungen für Handelsfinanzierung, Zahlungen und als Wertaufbewahrungsmittel genutzt werden. Da fiskalische Schwächen in den entwickelten Volkswirtschaften auf die Hauptwährungen drücken, steht der Status des US-Dollars als sicherer Hafen aufzunehmend schwächeren Füßen. Wir erwarten, dass Anleger ihre US-Dollar-Exponierung zunehmend absichern, bzw. reduzieren. 

4. Sind US-Aktien zu hoch bewertet?

Wir sehen die aktuellen Bewertungen als Teil eines Umfelds mit höheren Multiplikatoren, unterstützt durch stärkere Profitabilität und ein größeres Indexgewicht für Technologie. Wirtschaft und Gewinnwachstum bleiben widerstandsfähig, mit globalen Gewinnrevisionen im Aufwärtstrend und einer breiteren Profitabilität über Big Tech hinaus. Steigende Produktivität und die fortschreitende Einführung von KI sollten die Rekordmargen und das langfristige Gewinnwachstum weiter stützen. Aus unserer Sicht spiegeln höhere Bewertungen stärkere Fundamentaldaten wider.

5. Wer sind die langfristigen Gewinner der KI?

KI senkt die Kosten für den Zugang zu und die Umwandlung von Informationen und reduziert die Knappheit, die informationsbasierte Wettbewerbsvorteile untermauert. Sektoren, deren Vorteile auf physischen Vermögenswerten, regulatorischen Barrieren oder Netzwerkeffekten beruhen, könnten ihre Vorteile behalten, und KI-bezogene Produktivitätsgewinne in diesen Sektoren dürften eher den Aktionären zugutekommen.

Gleichzeitig geht die Wirkung von KI über die Produktivität hinaus und betrifft die Nachfrage – wenn Preise sinken, können mehr Verbraucher zuvor unerreichbare Waren und Dienstleistungen nutzen. Diese Dynamik könnte neue Märkte erschließen und die Profitabilität deutlich steigern.

6. Sind Gold und Silber jetzt zu teuer?

Silber dürfte aufgrund seiner industriellen Verwendung (z.B. Solar Kollektoren, u.a.) weiter an Interesse gewinnen.

Seit vielen Jahren empfehlen wir Gold/Silber bzw. Goldminenfonds als Beimischung. Die Notenbanken bauen ihre strategischen Goldreserven aus, um möglichst viel Unabhängigkeit von den USA und dem Dollar zu bekommen. Die Reserven der Notenbanken sind relativ bescheiden. Insbesondere in Indien und China. 

Sämtliche Edelmetallpreise dürften sich 2026 grundsätzlich weiter aufwärts entwickeln.

China und Indien bauen ihre strategischen Goldreserven aus. Das Ziel ist möglichst viel 

Unabhängigkeit von den USA und dem Dollar zu gewinnen, lt. Finanz +Wirtschaft Zürich.

Goldreserven weltweit

Notenbanken weit vom Ziel entfernt.

Basierend darauf gehen die Experten davon aus, dass China und Indien, wenn sie etwa die Hälfte des russischen Goldbestands besitzen möchten, noch sehr viel Gold kaufen müssten (vgl. Grafik 3).

Somit ist nicht damit zu rechnen, dass Notenbanken in absehbarer Zeit ihre strategischen Goldkäufe einstellen werden - ein wichtiger Treiber für den Markt. Das Fed befeuert zudem den Ansturm auf das Edelmetall, indem es gerade erst den Zinssenkungszyklus wieder aufgenommen hat.

Korrekturen auf dem Weg auf die $ 5.000,- sind zu erwarten. Langfristig allerdings gibt es zu Gold und Silber wenig Alternativen, da die internationale Verschuldung gewaltige Ausmaße erreicht hat und die Investoren zukünftig Turbulenzen im Finanzsystem erwarten. Die digitale Währung Bitcoin könnte eine zusätzliche Alternative werden. Wir halten Bitcoin und Co. allerdings nicht für digitales Gold, wie häufig erwähnt, aber zur Diversifizierung des Portfolios mit maximal 3-5% durchaus geeignet.

Goldpreisentwicklung

Anleger sehen sich 2026 mit Überraschungen konfrontiert, daher ist breite Diversifikation ein zentrales Thema. Neben KI-Themen gibt es eine große Zahl solide aufgestellter Unternehmen mit moderaten Bewertungen. Viele dieser Firmen stammen aus eher defensiven Bereichen wie Basiskonsum oder Gesundheit. Diese Unternehmen haben im Jahr 2025 relativ schlecht abgeschnitten. Das Wachstumspotenzial dieser Unternehmen ist oftmals unspektakulär, die Risiken sind allgemein niedriger. Anleger erhalten dafür derzeit Unternehmen mit solider Geschäftsentwicklung zu einem günstigen Preis. 

Insgesamt bieten 2026 robuste Bilanzen der Unternehmen, unterstützende makroökonomische Bedingungen und eine lockere Geldpolitik reichlich Unterstützung für das globale Wirtschaftswachstum und die Performance von Risikoanlagen ( Aktien, Edelmetalle etc. 

Aus unserer Sicht ergeben sich Chancen sowohl durch die Nutzung der Stärke des US-Marktes, der Schwellenländer sowie selektiv in Europa. Geopolitische Risiken, hohe Staatsschulden und zunehmende Unsicherheit werden auch das Anlagejahr 2026 bestimmen.

Diese Risiken sind real, bieten aber ebenso Chancen. Dieses Marktumfeld verlangt Disziplin, realistische Renditeerwartungen, ein nüchterner Blick auf die Bewertung. Eine ausgewogene Portfoliostruktur ist wichtiger denn je. 

Mit Zuversicht beginnen wir das Anlagejahr 2026. 

Freundliche Grüße

Unterschrift Alexander Tutmann Alexander Tutmann
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