Sind meine physischen Werte im Bankschließfach sicher?
Skandalös: rund 3.200 aufgebrochene Fächer, wahrscheinlich mehr als 100 Millionen Euro Beute. Der spektakuläre Einbruch in eine Bankfiliale in Gelsenkirchen über die Weihnachtstage 2025 hat Schließfachinhaber in Deutschland schockiert und wachgerüttelt. Neben sehr persönlichen Dingen – der Mitarbeiter einer Hausratversicherung erzählte mir mal, dass Menschen durchaus auch die Milchzähne ihrer Kinder bei einer Bank verwahren – lagern viele Menschen Schmuck, Edelmetalle, wichtige Dokumente und große Summen Bargeld in Schließfächern. Seit Gelsenkirchen stellen viele Bankkunden diese Form der Verwahrung infrage. Auch uns erreicht seitdem von Mandanten – verständlicherweise – immer häufiger die Frage: „Was ist eigentlich der beste Ort, um meine physischen Wertgegenstände aufzubewahren?“
Bei der Wahl der richtigen Verwahrmethode lässt sich ganz klassisch nach rationalen Argumenten differenzieren: Einbruchsicherheit, Feuerschutz, Kosten und Zugang und so weiter. Doch wie so häufig bei der Vermögensanlage entscheidet, weniger das Instrument selbst, sondern wofür es eingesetzt wird über dessen Sinnhaftigkeit. Die Entscheidung hängt also nicht nur vom objektiven Wert einer Sache ab, sondern vielmehr von deren Funktion, ihrer Nutzungshäufigkeit und dem Risiko, das mit ihrem Verlust verbunden wäre.
Ins Schließfach gehören nur Dinge, bei denen schneller Zugriff keine Rolle spielt!
Wir kennen viele Fälle in denen Wertgegenstände zwar sicher verwahrt wurden, sie ihren Eigentümern aber keinen Nutzen gebrachten. Peter ein Bekannter z.B.: ein großer Uhren Fan, der nie Lust hatte seine wertvollen Zeitmesser rechtzeitig zu einem passenden Anlass aus dem Schließfach zu holen. Denn jedes Mal, wenn er die Uhr brauchte, waren die Schließfächer bei der Bank nicht zugänglich. Die Öffnungszeiten für Schließfächer sind bei vielen Banken schlichtweg enttäuschend. Mit etwas Glück öffnet die Bank werktags für ein paar Stunden ihre Pforten. In kleineren Banken sind es ein oder zwei Tage die Woche.
Oder ein anderes Beispiel nennen wir Sie Marita, die seit sieben Jahren 100.000 Euro bar als zu groß geratenen Notgroschen in ihrem Bankschließfach verwahrt. Was physisch und psychisch als sicher erachtet wird, ist real höchstens ein sicherer Verlust an Kaufkraft. Rechnet man die jährlichen Verbraucher-Preissteigerungen seit 2019 zusammen, ergibt sich eine kumulierte Teuerung von ungefähr 20-22 % bis Ende 2025.
Das heißt, die Kaufkraft von 100.000 Euro ist real auf etwa 78.000 €-80.000 € gesunken.
Liquidität gehört zwingend auf ein verzinstes Konto oder ein Anlagen-Depot.
Ein Bankschließfach eignet sich grundsätzlich für Vermögenswerte und Dokumente, die langfristig aufbewahrt werden sollen, selten benötigt werden und bei denen ein schneller Zugriff keine Rolle spielt. Genau hier entfaltet das Schließfach seine Stärke: hohe physische Sicherheit, Diskretion und Schutz vor spontanen Zugriffen – sei es durch Einbruch, Diebstahl im privaten Umfeld oder Zwangssituationen.
Das heißt übersetzt: Familienschmuck, ein Teil der Edelmetallreserven als auch wichtige Unterlagen dürfen ins Schließfach, allerdings mit Augenmaß. Gemeint sind Originaldokumente, die nicht im Alltag benötigt werden und deren Wiederbeschaffung schwierig oder unmöglich wäre, etwa bestimmte notarielle Urkunden, historische Dokumente oder Belege mit hoher rechtlicher Relevanz.
Die sichere Verwahrung zu Hause schlägt das Schließfach häufig
Wertsachen, die physisch verfügbar sein sollen, die regelmäßig genutzt werden oder die im Ernstfall schnell greifbar sein müssen, gehören nicht ins Bankschließfach. Dazu zählen etwa physisches Gold, auf das man im Krisenfall gegebenenfalls bewusst zugreifen möchte.
Auch wichtige Originaldokumente wie Testamente oder Vorsorgevollmachten gehören nach Hause. Was bringt einem die Patientenverfügung bei der Bank, wenn die eigene Mutter an einem Sonntag nach einem Unfall ins Krankenhaus kommt und wichtige medizinische Entscheidungen anstehen?
Auch Uhren oder Schmuckstücke, die regelmäßig getragen werden, sind zu Hause besser aufgehoben, vorausgesetzt, die Lagerung erfolgt professionell. Ein geprüfter Wertschutzschrank mit ausreichender Widerstandsklasse, der sowohl vor Einbruch als auch vor Feuer schützt, schafft hier ein hohes Maß an Sicherheit und Alltagstauglichkeit. Wir raten zu einem Wertschutzschrank der EN 1143-1 Klasse von drei oder höher. Er sollte in jedem Fall in Boden oder Wand verankert sein.
Viele Menschen scheuen die Anschaffung. Denn ein ordentlicher Tresor kostet schnell um die zweitausend Euro. Allerdings hat sich dieser – in Bezug auf eine Schließfachmiete von 50 bis 200 € jährlich – vergleichsweise schnell amortisiert.
Alle Verwahrmethoden verlangen einen bewussten Umgang
Viele Menschen verlassen sich auch auf ein gutes Versteck in den eigenen vier Wänden. Damit ist weniger die Sockenschublade gemeint als sinnvoll geplante Verstecke in Mauerwerk oder Möbeln. Eine endgültige Sicherheit für die eigenen Wertsachen gibt es aber auch hier nicht.
Selbst das beste Sicherheitssystem kann überwunden werden und der teuerste Panzerschrank der Welt ist nur so stark, wie der Wille seiner Schlüsselbesitzerin, die unter Gewaltandrohung ihr Leben schützen will. Wer zusätzliche Sicherheit möchte, muss diese teuer bezahlen. Beispielsweise durch eine erweiterte Hausrat- oder Schließfachversicherung. Die Haftung der Banken ist begrenzt und von Bank zu Bank unterschiedlich. Fragen Sie bei ihrer Bank nach, wenn Sie ein Schließfach besitzen.
Banken kennen den Inhalt der Schließfächer nicht. Sie dürfen ihn nicht kennen. Entsprechend haften sie im Schadenfall nicht automatisch für den tatsächlichen Wert der gelagerten Gegenstände. Wer davon ausgeht, dass ein Verlust im Zweifel vollständig ersetzt wird, verlässt sich auf eine Annahme, die rechtlich nicht gedeckt ist. Genau hier entsteht häufig eine Scheinsicherheit.
Unabhängig vom Lagerort wird ein Punkt häufig unterschätzt: die Dokumentation. Wer Wertsachen besitzt, sollte diese inventarisieren, fotografisch erfassen und regelmäßig bewerten. Versicherungssummen sollten überprüft und an reale Werte angepasst werden. Das ist keine übertriebene Vorsicht, sondern nüchternes Risikomanagement. Ohne Nachweise bleibt im Schadenfall oft nur der Verlust. Selbst dann, wenn grundsätzlich Versicherungsschutz besteht.
Der beste Vermögensschutz bleibt – wie auch bei Ihren anderen Anlagen – die Streuung.
Unser Fazit fällt bewusst unspektakulär aus. Aus unserer Sicht ist es sinnvoll, die Frage nach der richtigen Aufbewahrung von Wertsachen ähnlich zu behandeln wie die Vermögensanlage selbst. Nicht mit dem Anspruch auf maximale Sicherheit an einem Ort, sondern mit dem Ziel einer sinnvollen Streuung von Risiken, dem Fokus auf den Nutzen und dem richtigen Verhalten. Gerade die Kombination aus unterschiedlichen Aufbewahrungsorten, Sicherheitsstufen und Zugriffsmöglichkeiten reduziert Risiken effektiver als jede einzelne Lösung für sich.
Einen Ansatz, den wir interessant finden, sind neue bankenunabhängige Anbieter (z. B. Trisor – keine Empfehlung oder Werbung) die sich rein auf das Schließfachgeschäft spezialisiert haben und ihren Kunden in großen deutschen Metropolen einen autonomen 24-Stunden-Zugang zu ihren Wertsachen ermöglichen. Der Zugang funktioniert rein digital über Zugangskarten und Fingerabdruck. Somit wird ein großer Nachteil des Bankschließfaches – die Öffnungszeiten der Bank – kompensiert.
Und noch ein weiterer Exkurs sei uns erlaubt. Denn wir wissen aus Erfahrung, dass sich viele vermögendere Menschen mit einer größeren strategischen physischen Edelmetallreserve, unabhängig von der Frage, ob diese sinnvoll ist oder nicht, wohlfühlen. Hingegen erfahren sie mit dem Gedanken an die Verwahrung von einer Million Euro in Gold im eigenen Keller oder bei der Bank eher Stress und Unruhe. In diesen Fällen sollte man sich über die langfristige und systemunabhängige Verwahrung in einem Schweizer Zollfreilager Gedanken zu machen. Hier gibt es neben der hohen physischen Sicherheit auch einige weitere strukturelle Vorteile (z. B. Steuervorteile beim Erwerb von Silber, Platin und Palladium) gegenüber einem deutschen Bankschließfach.
Fazit: Bankschließfächer sind kein Fehler. Aber sie sind auch kein Allheilmittel. Sicherheit entsteht nicht durch einen einzelnen Ort, sondern durch ein durchdachtes Gesamtkonzept. Durch Streuung. durch realistische Erwartungen. Genau wie bei der Geldanlage gilt auch hier: Nicht die Suche nach absoluter Sicherheit führt zu guten Entscheidungen, sondern der bewusste Umgang mit Risiken.
Mit diesem kleinen Exkurs wünschen wir Ihnen ein heiteres Karnevalswochenende!
Freundliche Grüße
Alexander Tutmann